Viele Menschen mit depressiven Beschwerden wünschen sich eine wirksame, gut verträgliche Behandlung – möglichst mit wenigen Nebenwirkungen. Ein pflanzliches Arzneimittel, das dabei immer wieder genannt wird, ist Johanniskraut. Doch wie gut wirkt es wirklich?

Wann wird Johanniskraut eingesetzt?
Bei leichten bis mittelgradigen Depressionen kann eine medikamentöse Behandlung sinnvoll sein. Üblicherweise kommen dabei sogenannte Antidepressiva (z. B. SSRI) zum Einsatz. Diese sind wirksam, können aber mit Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme, sexuellen Funktionsstörungen oder innerer Unruhe verbunden sein.
Die Nationale VersorgungsLeitlinie Depression empfiehlt für den ersten Behandlungsversuch neben klassischen Antidepressiva auch Johanniskraut-Extrakt als gleichwertige Option.
Was macht Johanniskraut besonders?
Johanniskraut ist eines der bestuntersuchten pflanzlichen Arzneimittel bei Depressionen. Besonders bemerkenswert ist:
- Es zeigt eine gute Wirksamkeit bei leichten bis mittelgradigen Depressionen
- Es ist deutlich besser verträglich als viele synthetische Antidepressiva
- Es ist das einzige pflanzliche Arzneimittel, für das eine Wirksamkeit in großen Übersichtsarbeiten nachgewiesen wurde
Was zeigen aktuelle Studien?
Eine große Übersichtsarbeit (Zhao et al. 2023) untersuchte zahlreiche alternative und ergänzende Therapieansätze bei Depressionen. Das Ergebnis war klar, bei leichten bis mittelschweren Depressionen war Johanniskraut:
- wirksamer als Placebo
- vergleichbar wirksam wie klassische Antidepressiva
- dabei mit weniger Nebenwirkungen verbunden
Vergleich mit klassischen Antidepressiva
Neuere Studien zeigen sogar, dass Johanniskraut bei bestimmten Patientengruppen mindestens genauso gut wirkt wie gängige Antidepressiva, teilweise mit besserer Verträglichkeit. Häufige Nebenwirkungen klassischer Medikamente – wie Gewichtszunahme oder sexuelle Störungen – traten unter Johanniskraut deutlich seltener oder gar nicht auf.
Für wen ist Johanniskraut geeignet?
Johanniskraut kann eine sinnvolle Option sein:
- bei leichten bis mittelgradigen Depressionen
- wenn eine gute Verträglichkeit besonders wichtig ist
- im Rahmen eines ärztlich begleiteten Behandlungskonzepts
Wichtig: Johanniskraut ist ein wirksames Arzneimittel und kann Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben (z. B. mit der Antibabypille oder Blutverdünnern). Zudem kann es Lichtallergien hervorrufen. Eine Einnahme sollte daher nicht ohne ärztliche Rücksprache erfolgen.
Unser Fazit
Johanniskraut ist keine „sanfte Spielerei“, sondern ein gut untersuchtes, oft wirksames Medikament bei bestimmten Formen der Depression. Für viele Patientinnen und Patienten kann es eine gut verträgliche Alternative zu klassischen Antidepressiva darstellen.
Gerne beraten wir Sie persönlich, ob Johanniskraut für Ihre Situation geeignet ist und welche Behandlung für Sie am besten passt.
Quellen:
Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Langfassung, Version 3.0, 2022, AWMF-Register-Nr. nvl-005. https://www.leitlinien.de/themen/depression/version-3
Zhao et al. The efficacy and safety of St. John’s wort extract in depression therapy compared to SSRIs in adults: A meta-analysis of randomized clinical trials. Adv Clin Exp Med 2023;32(2):151-161.